Studie über Spielerschutz im Internet an Universität Bremen vergeben

Neue Studie der Universität Bremen befasst sich mit dem Spielerschutz beim Online-Glücksspiel in Deutschland im Zuge des in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrags! (Bildquelle: Erik Mclean auf Unsplash)

In einer bahnbrechenden Initiative des Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Kooperation mit allen 16 Bundesländern ist eine Studie an die Universität Bremen vergeben worden, die die Maßnahmen des Glücksspielstaatsvertrages 2021 evaluieren soll. Unter der Leitung von Dr. Tobias Hayer wird das Institut für Public Health und Pflegeforschung die Auswirkungen der weitreichenden Anforderungen des Vertrages, insbesondere in Bezug auf den Spielerschutz im Internet, untersuchen. Dies umfasst eine Analyse sowohl bestehender als auch neu zugelassener Online-Glücksspielformen und die Umsetzung spezifischer Spielerschutzregelungen. Dabei wird auch die Praktikabilität und eventuelle Änderungen im Spielverhalten der Teilnehmer unter die Lupe genommen. Eine umfassende Evaluation des Glücksspielstaatsvertrages ist für das Jahr 2026 geplant, wobei die Erkenntnisse der Studie entscheidend zur Bewertung der Wirksamkeit der Maßnahmen und möglichen Verbesserungen beitragen werden.

Spielerschutz ist eines der großen Themen des neuen Glücksspielstaatsvertrages

In einer Ära, in der der Online-Glücksspielmarkt wächst und immer vielfältiger wird, wurde in Deutschland mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 ein entscheidende Schritt zur Verbesserung des Spielerschutzes unternommen. Einer der zentralen Punkte ist die Einführung restriktiver Bedingungen für Online-Glücksspiele wie virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Online-Casinospiele, die zuvor völlig verboten waren. Der Vertrag zielt darauf ab, sichere, legale Alternativen zu Glücksspielangeboten zu bieten, die bisher nur auf dem Schwarzmarkt verfügbar waren.

Die Implementierung der Spielersperrdatei OASIS, einer zentralen Datei zur Überwachung des Spielerverhaltens, ist ein Meilenstein in den Bestrebungen Deutschlands, den Spielerschutz zu verbessern. Es handelt sich um ein effektives Werkzeug zur Bekämpfung der Spielsucht, da es sowohl Spielhallen als auch Gaststätten und Wettbüros mit Geldspielgeräten erfasst. Ein weiterer Schutzmechanismus ist das festgelegte Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat für Online-Spieler. Die Einhaltung dieser Grenze wird durch eine weitere zentrale Datei, die Limitdatei, überwacht. Parallel dazu verhindert der Vertrag auch das gleichzeitige Spielen bei verschiedenen Online-Glücksspielanbietern.

Zum 1. Juli 2021 wurde zudem eine neue Glücksspielbehörde gegründet, die die gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) darstellt. Mit Sitz in Sachsen-Anhalt ist sie eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts, deren Hauptaufgabe die Aufsicht über das Glücksspiel im Internet ist. Sie fungiert als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Glücksspiel im Internet, einschließlich der Erteilung von Genehmigungen für Anbieter und der Durchführung von Kontrollen zur Einhaltung der festgelegten Standards und Bedingungen. Darüber hinaus übernimmt sie die wichtige Aufgabe, problematisches Spielverhalten zu identifizieren und vorzubeugen und gleichzeitig Spieler über die Risiken und Konsequenzen des Glücksspiels aufzuklären.

Diese Maßnahmen sollen einen umfassenden Rahmen bilden, um das Glücksspiel sicherer und transparenter zu gestalten, den Spielerschutz zu stärken und die Spielsucht wirksam zu bekämpfen. Wie erfolgreich sie dabei sind, soll mit der aktuellen Studie nachvollzogen werden.

Über Sinn und Unsinn strenger Regulierungen

In der Welt des virtuellen Glücksspiels ist der Grad zwischen Spielerschutz und Spieler-Gängelung ein schmaler. Die Studie „Spielerschutz im Internet: Evaluation der Maßnahmen des Glücksspielstaatsvertrages 2021“ zielt darauf ab, einen genauen Einblick auch in dieses kritische Feld zu gewähren. Seit der Einführung des Glücksspielstaatsvertrages 2021 hat Deutschland eine Reihe von Regulierungen erlebt, die den Spielerschutz stärken sollen. Aber diese Bemühungen haben zu einer paradoxen Situation geführt. Anstatt den Spielerschutz zu verbessern, haben zu strikte Regulierungen das Gegenteil bewirkt: Sie haben Spieler in den illegalen Markt gedrängt.

Die sogenannte Kanalisierungsquote, die den Anteil des legalen Glücksspiels am Gesamtmarkt misst, ist ein entscheidender Indikator für die Auswirkungen der Regulierungen. Im Jahr 2014 erreichte die Quote ihren Höchststand mit 96 Prozent. Doch seitdem hat die Quote deutlich abgenommen und lag 2022 nur noch bei etwa 70 Prozent. Laut Prof. Justus Haucap von Dice Consult ist der Hauptgrund für diesen Rückgang die strikte Regulierung, die das legale Spielen unattraktiv macht und Spieler zu illegalen Angeboten treibt. Die Auswirkungen sind alarmierend. Ein Rückgang der Kanalisierungsrate legaler Online Casinos Deutschland bedeutet einen Anstieg des Schwarzmarktanteils. Die Studie prognostiziert, dass, wenn keine Änderungen vorgenommen werden, die Quote bis 2026 auf 38 bis 55 Prozent fallen könnte. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte des gesamten Spielautomatenmarktes von illegalen Angeboten bedient werden würde.

Der Übergang zum illegalen Markt untergräbt den Spielerschutz, da Spieler in diesem Bereich nicht die gleichen Schutzmechanismen genießen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer ausgewogenen Regulierung. Zu restriktive Maßnahmen können kontraproduktiv sein und die Situation verschlimmern, indem sie Spieler in die Arme illegaler Anbieter treiben. Eine praxisgerechte Regelung ist daher von entscheidender Bedeutung. Ein gutes Beispiel dafür ist der Zeitraum zwischen 2006 und 2012, in dem legales Spielen attraktiver gestaltet wurde, was zu einer drastischen Reduzierung des illegalen Glücksspiels führte.

Glücksspielstudie über Spielfreude und Spielmotivation veröffentlicht

Eine Studie vom Bundesverband Automatenunternehmer durch die SRH Berlin University of Applied Sciences hat sich mit den Beweggründen befasst, warum sich Menschen für das Automatenspiel begeistern. Die Glücksspielstudie hat einige interessante Fakten zutage gebracht.

Die Praxis zeigt, dass ein sensibler Umgang mit Regulierungen notwendig ist, um den Spielerschutz zu gewährleisten, ohne mündige Spieler zu gängeln. Eine ausgewogene Politik, die legales Spielen fördert, während sie die Einhaltung von Spielerschutzbestimmungen aufrechterhält, ist der Schlüssel zur Maximierung der Kanalisierungsquote und zur Bekämpfung illegaler Angebote. Nur so kann ein effektiver Spielerschutz im Internetzeitalter gewährleistet werden.

Der Staat steht vor einer schwierigen Aufgabe. Die Balance zwischen Spielerschutz und Überregulierung ist nicht einfach. Die an die Universität Bremen vergebene Studie über den Spielerschutz wird hoffentlich mehr Licht ins Dunkle bringen. Eine umfassende Evaluierung der Maßnahmen des Glücksspielvertrags ist allerdings erst für 2026 geplant.

Quelle: Studie „Spielerschutz im Internet: Evaluation der Maßnahmen des Glücksspielstaatsvertrages 2021“ an die Universität Bremen vergeben. Weitere Infos unter: www.gluecksspiel-behoerde.de