Das Spieler-Sperrsystem OASIS wird zum politischen Werkzeug

Panikmache durch vorenthalten wichtiger Informationen zum Spieler-Sperrsystem OASIS! Hat die Meinungsbildung für ein Werbeverbot für Wetten und Glücksspiel Priorität? (Bildquelle: Gerd Altmann auf Pixabay)

Über das Redaktionsnetzwerk Deutschland sind Ende Mai 2023 aktuelle Zahlen zum spielformübergreifenden Spielersperrsystem OASIS verbreitet worden. Dabei kam auch der offensichtlich im Moment stark auf Online-Glücksspiel sowie Sportwetten und damit verbundende Werbung fokussierte Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Burkhard Blienert mit einem Zitat zu Wort. Das diente mutmaßlich dazu, um den sprunghaften Anstieg an Sperrungen noch mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Allerdings fehlt es der Meldung gewissermaßen an informativ aufgearbeiteten Zahlen, die Vergleiche und entsprechend eine fundierte Bewertung erlauben würden. Mal ganz abgesehen davon, dass mehr Fallmeldungen mit OASIS-Selbstsperren darauf schließen lassen, dass dieses System für den Spielerschutz funktioniert.

Warum werden die Sperrsystem OASIS-Zahlen falsch interpretiert?

Bevor wir diese Frage beantworten, schauen wir zunächst auf die erfassten Sperrungen der Spielerdatenbank. Innerhalb von rund zweieinhalb Jahren hat das Spielersperrsystem OASIS einen Anstieg an gesperrten Spielern von rund 400 Prozent zu verzeichnen. Gut das Vierfache an Spielersperren in nur wenigen Jahren ist auf den ersten Blick ein alarmierendes Signal. Insbesondere im Hinblick auf die in diesem Zeitraum forcierte Marktliberalisierung des Internet-Glücksspiels. Und genau darin liegt der offensichtliche Fehler der Bewertung. Als Vergleichswert dient das Jahr 2020, wo mit 47.000 Registrierungen das Sperrsystem seinen Höchstwert erreicht hatte und etwas mehr als zwei Jahre danach plötzlich mit 192.600 Sperrungen daher kommt.

Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass bis zur Erfassungen der OASIS-Zahlen im Jahr 2020 waren ausschließlich lizenzierte Spielstätten in den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz an die Datenbank angeschlossen, die durch das Regierungspräsidium Darmstadt betreut wird. Legale Online Casinos Deutschland und die anderen 14 Bundesländer und deren Spielbetriebe inklusive der Geldspielgeräte in der Gastronomie wurden gar nicht erfasst. Insofern ist der Anstieg verhältnismäßig gering, wenn wir bedenken, dass zuvor lediglich zwei Ländern mit der nun bundesweiten operierenden Sperrdatei gearbeitet haben.

mit OASIS-Meldung: Wichtige Information fehlt

Spielersperrsystem im Fokus

Bereits im April hatten für OASIS zuständige Mitarbeiterinnen Juliane Dieroff und Gisela Schwamborn aus dem Regierungspräsidium Darmstadt auf einer Tagung mit Schwerpunkt Suchtprävention zu den Entwicklungen des Systems informiert. Vor allem interessant sind hierbei die Zahlen der angeschlossenen Betreiber. Dieser Wert ist zusammenfassend um über 2.000 Prozent gestiegen. Konkret wurden diese OASIS-Zahlen präsentiert:

  • Juni 2021: 1.529 Spielstätten und 464 Veranstalter
  • 18. April 2023: 34.623 Spielstätten und 7.532 Veranstalter

Diese Zahlen zum Sperrsystem OASIS sind schon gar nicht mehr zu 100 Prozent aktuell. Doch was überdeutlich auffällt, ist, dass die Sperrzahlen im Vergleich zu den neu angeschlossenen Betriebsstätten eine geringere Steigerungsrate aufweisen. Im Rahmen der Präsentation im April war von über 180.000 Selbstsperren die Rede und zum Stand 19. April 2023 gab es 909 aktive Tagessperren. Diese sind durch deutsche Casinos online über den Panikknopf ausgelöst worden und sind tatsächlich nur 24 Stunden wirksam. Das aber betreiberübergreifend offline und online.
Durch Fremdsperren erfasste Spielerdaten wurde 8.971 zum 19. April 2023 gemeldet. Interessant ist auch die Offenlegung, dass mit der Öffnung des Online-Glücksspielmarktes ohne Lizenz unter Einhaltung der bereits feststehenden Regeln im ganzen Monat Oktober 2020 über das Sperrsystem OASIS etwa 5,5 Millionen Mal Daten abgefragt wurden. Im April 2023 gibt das Regierungspräsidium an, dass es monatlich ungefähr 100 Millionen Abfragen gibt.

Spielformübergreifendes Spielersperrsystem OASIS für Deutschland
  • Da erst seit Sommer 2021 deutschlandweit Spielstätten und Gaststätten an die Sperrdatei angeschlossen wurden sowie sukzessive die Veranstalter des virtuellen Automatenspiels sind die Zahlen aus dem Verhältnis gerissen worden.
  • Jahresende Ende 2020: 47.000 Sperren (nur Hessen und Rheinland-Pfalz)
  • Mai 2023: 192.600 Sperren (deutschlandweit)
  • Wie das anbieter- und spielerformübergreifende Spielersperrsystem OASIS funktioniert, können Sie in diesem Aritkel nachlesen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ausfallquote. Kann eine Abfrage über das Spieler-Sperrsystem OASIS aus technischen Gründen nicht erfolgen, dann darf der entsprechende Spieler auch nicht offline oder online spielen. Dies passiert selten, da eine Erreichbarkeit des Sperrsystems von 99,8 Prozent gegeben ist. Aus unserer Erfahrung heraus lässt sich sagen, dass es bei manch einem Online Casino Betrugstest, den wir für neue Anbieter ansetzen, zu kurzweiligen Problemen bei der Registrierung gekommen ist und dies mit technischen Problemen des Spielersperrsystems OASIS begründet wurde. Das hat meist nur Minuten gedauert und dann konnte der Vorgang abgeschlossen werden.

Warum der Bericht zu den Spielerselbstsperren aus dem Redaktionsnetzwerk Deutschland von Branchenmagazinen wie dem Automatenmarkt aufgegriffen wurde, liegt hauptsächlich daran, dass „aus dem Kontext herausgelöst und versehen mit einer Kommentierung des Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung“, die OASIS-Entwicklung mangels bedeutender Informationen zur Entwicklung mutmaßlich falsch dargestellt worden. Dazu mit diesem Zitat des Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung Burkhard Blienert:„Die rasant gestiegene Zahl spricht Bände. Da sich die Mehrheit selbst sperren lässt, muss der Leidensdruck bei vielen Spielsüchtigen sehr groß sein.“

Quelle: Automatenmarkt Artikel „Redaktionsnetzwerk Deutschland mit OASIS-Meldung: Wichtige Information fehlt“.