Glücksspiel

Wie steht es um die Glücksspielindustrie nach 2 Jahren Pandemie? Wer hat deutlichen Aufholbedarf und beim wem boomt das Glücksspiel bereits auf Vor-Corona-Niveau? (Bild von Joanna Kosinska auf Pixabay)

Zwei Jahre Pandemie haben ihre Spuren hinterlassen und den Glücksspielmarkt  kräftig durcheinandergewirbelt. Die im deutschsprachigen Raum marktführenden Unternehmen Gauselmann und Novomatic scheinen von der Konjunkturerholung zu profitieren. In Espelkamp bewegen sich die Umsätze im ersten Halbjahr 2022 schon wieder auf Vorkrisenniveau und könnten sogar den Jahresabschluss von 2019 übertreffen. Novomatic hat noch keine Zahlen für das aktuelle Jahr präsentiert, jedoch 2021 in einem von weitreichenden Restriktionen geprägten Zeitraum ein zufriedenstellendes Ergebnis hingelegt. Beide profitieren hierbei von einem zunehmend größer werdenden Absatzmarkt im Internet. Doch die Pandemie hat nicht nur Gewinner hervorgebracht, sondern auch Verlierer. Insbesondere der terrestrische Gaming-Markt hat erheblichen Aufholbedarf, denn staatliche Spielbanken hat es schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Glücksspiel: Wer ist besser durch die Krise gekommen?

Verstärkt betroffen von der zurückliegenden Pandemie sind letztlich vor allem die auf dem stationären Markt angesiedelten Unternehmen. Glücksspiel hat zwar im Internet regelrecht durch die Pandemie geboomt, die örtlichen Spielstätten haben allerdings durch die Restriktionen teilweise ein Insolvenzenbeben erfahren. Das gilt in erster Linie für kleinere Automatenbetriebe. Aber auch die deutsche Schmidt-Gruppe als einer der größten Betreiber von Spielhallen im Land nach Gauselmann und der zu Novomatic gehörenden Löwen Gruppe ist scheinbar von den Entwicklungen betroffen.

Der einst bei Gauselmann angestellte Unternehmensgründer Ulrich Schmidt hat sich im Laufe des Jahres 2022 von dem zu Gruppe gehörenden, aus Berlin stammenden Hersteller von Spielautomaten, Bally Wulff getrennt. In nicht bekannter Höhe ist das traditionsreiche Unternehmen, welches seit 2007 zur Schmidt-Gruppe gehörte, verkauft worden. Der neue Eigentümer ist die in der Tschechischen Republik sitzende APEX Gaming S.R.O., die auch gute Kontakte zur Novomatic Gruppe pflegt. Die Gründe für die Abgabe der Bally Wulff Gesellschaftsanteile sind nicht bekannt, aber die Vermutung liegt nahe, dass sowohl die Schmidt-Gruppe als auch die Tochterfirma unter den Corona-Folgen zu leiden haben.

Das terrestrische Automatenspiel hat unter der Pandemie stark zu leiden. Bally Wulff Games als der Spielgerätelieferant der Gastronomie hat zugleich auch nach der Normalisierung mit einer sich veränderten Branche zu kämpfen. Da haben es reine Online Provider wie Gamomat das in der Pandemie gestartete Hölle Games Studio deutlich einfacher. Ein weiterer großer Firmenzweig der Schmidt-Gruppe ist schließlich in einem Filialnetzwerk der FitX Fitnessstudios angesiedelt. Wie die am stationären Markt agierende Glücksspielindustrie gehört auch die Fitnessbranche zu den Corona-Verlierern.

Unmittelbar von der Krise haben einzig die Online-Glücksspielanbieter profitiert, die ausschließlich im Internet aktiv sind. Große stationäre Betreiber mit einem noch jungen Online-Ableger haben zwar punktuell Wachstum zu verzeichnen, in den Kerngeschäften jedoch Umsatz verloren.

Novomatic und Gauselmann – wer hat Corona besser weggesteckt?

Um die beiden Großen zu vergleichen, werden wir die Geschäftszahlen vor der Krise mit den letzten Jahresabschlüssen auswerten. Im letzten nicht durch die Pandemie beeinflussten Geschäftsjahr 2019 erzielte die Gauselmann Unternehmensgruppe einen Gesamtumsatz von rund 3,4 Milliarden Euro. Demgegenüber stehen etwas über 2,6 Milliarden Jahresumsatz 2021 bei Novomatic. Im Jahr 2020 mussten beide Konzerne erhebliche Einbußen verkraften, die teilweise zu strukturellen Veränderungen geführt haben. Der Umsatz hat bei beiden Unternehmen letzten Endes rund 900 Millionen Euro nachgegeben, was dazu geführt hat, dass der Gauselmann Gruppe Umsatz zum ersten Mal in der über 60-jährigen Firmengeschichte rote Zahlen auszuweisen hatte.

Ein Jahr später mit den ersten Erfahrungen im Umgang mit der Pandemie und den vielen Vorschriften für den Betrieb in Spielstätten haben sich die Umsatzzahlen nur geringfügig verbessert. Mit knapp 40 Millionen Euro mehr Umsatz bei Gauselmann und über 130 Millionen Umsatzplus bei Novomatic von 2020 auf 2021 geht der erste Punkt an die Österreicher. Im Jahr 2022 ist leider noch kein umfassender Vergleich möglich, da uns bisher lediglich von Gauselmann die Halbjahreszahlen vorliegen und die haben es in sich! Die Umsatzentwicklung hat buchstäblich einen Quantensprung vollzogen.

Im ersten Halbjahr 2022 konnte mit einem Umsatz von 1,746 Mrd. Euro sogar um Nuancen den Vergleichszeitraum 2019 übertreffen. Mit diesen Aussichten könnte die nordrhein-westfälische Unternehmensgruppe bei einer potenziell einsetzenden Erholung im Heimatmarkt Deutschland ein neues Rekordjahr erzielen. Halbjahr spiegelt sich ein Wiederaufleben des Automatenspiels in der terrestrischen Welt in den Umsätzen wider sowie die Expansion der Merkur Spielbanken. Wie Gauselmann jedoch öffentlich machte, ist der Umsatztreiber das Auslandsgeschäft, dessen Erfolgskurs die immer schwieriger werdende Entwicklung in Deutschland kompensieren kann. Im ersten Halbjahr 2019 hatte der Umsatz bei rund 1,740 Mrd. Euro gelegen. Das erste Halbjahr 2022

Umsatzvergleich Gauselmann Novomatic
Novomatic und Gauselmann – wer hat Corona besser weggesteckt?
Gauselmann
Novomatic
2019
ca. 3,4 Mrd €
ca. 2,61 Mrd. €
2020
ca. 2,52 Mrd. €
ca. 1,74 Mrd. €
2021
ca. 2,56 Mrd. €
ca. 1,84 Mrd. €
2022
1. Halbjahr ca. 1,75 Mrd. €
k/A

Die meisten Länder befinden sich immer noch in einer wirtschaftlichen Misere. Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, dass Glückspiele gerade in Krisenzeiten gefragt sind. Sofern pandemiebedingt keine neue Talsohle in den Spielstätten entsteht, dürfte der Wachstumstrend anhalten.

Spielhallen-Mindestabstand bedroht Automatenunternehmer

In allen relevanten Märkten haben die Glücksspielanbieter im stationären Bereich aufgrund der Pandemie Rückschläge hinnehmen müssen. Novomatic-Tochterfirmen, wie die zur deutschen Löwen-Gruppe gehörende Crown Technologie GmbH wurde als Automaten-Hersteller sogar geschlossen. Die Crown Spielautomaten bleiben zwar erhalten und werden über die Produktionsstätte Bingen am Rhein weiterhin produziert, dutzendweise Mitarbeiter haben dennoch am Standort Rillingen ihren Arbeitsplatz verloren. Grund hierfür ist jedoch nicht ausschließlich die Pandemie.

Mit einer neuen Spielhallen Abstandsregelung ist vorgesehen, die räumliche Nähe zu öffentlichen Einrichtungen und Schulen zu erweitern und Entfernungen zwischen Spielstätten und Wettbüros zu erhöhen. In der Folge sind Betreiber gezwungen zu schließen oder neue Standorte zu finden. Aufgrund mangelnder Ressourcen, die weitgehend in der Corona-Krise aufgebraucht wurden, gestaltet sich das natürlich schwierig. Entsprechend weniger Geldspielgeräte der Marken Merkur, Novoline und Bally Wulff werden vermietet oder verkauft.

Allerdings haben die Marktführer den Vorteil, Krisensituationen besser durchzustehen. Mit Milliardenumsätzen lassen sich die Verluste zumindest einstweilen kompensieren. Das Wegbrechen mittelständischer Aufstellbetriebe sorgt letztlich dafür, dass die führenden Anbieter ihren Marktanteil erhöhen können. In den eigenen Spielbetrieben, die weitgehend durch gezielte Maßnahmen von den regulatorischen Abstandsvorgaben verschont werden, ist das Geschäft längst wieder angelaufen. Dementsprechend werden sich deren Geschäftsergebnisse sicherlich in Zukunft wieder auf Vor-Corona-Niveau einpegeln.

Interessant zu wissen: Wie aus einer Gauselmann Pressemeldung aus dem Juli 2022 hervorgeht, sind gegenüber dem Vor-Corona-Niveau 30 Prozent weniger Automaten in Deutschland in Betrieb. Damit einhergehen Schließungen von Spieleinrichtungen und Entlassungen sowie zunehmend weniger attraktives und legales gewerbliches Spiel. Ähnliche Probleme sind beim Online-Glücksspiel vorhanden, wo illegale Angebote nach wie vor verfügbar sind. Inwieweit durch Netzsperren dem unerlaubten Glücksspiel im Internet Einhalt geboten werden kann, das wird die Arbeit der Gemeinsamen Glücksspielaufsicht der Länder in Zukunft zeigen.

Die vielen Schließungen werden wahrscheinlich nicht zu Angebotsengpässen führen. Auch wenn die Glücksspiellandschaft wohl nicht das Vorkrisenniveau erreichen wird, die marktführenden Unternehmen werden am Ende als Gewinner hervorgehen.

Gauselmann is great again

Mit dem Corona-Ende kommen die schwarzen Zahlen zurück, die Auslandsgeschäfte brummen und Merkur Casino ist auf Erfolgskurs. Nach dem Lockdown, der viele Expansionspläne hat platzen lassen und teilweise für Kurzarbeit gesorgt hat, herrscht bei der ostwestfälischen Gauselmann Gruppe Aufbruchsstimmung. Neue Standorte zu erschließen, das musste aufgrund nicht vorhersehbarer wirtschaftlicher Entwicklung zurückgestellt werden. Ungeachtet dessen hat das Familienunternehmen mit einem über 140 Millionen Euro Angebot im Sommer 2021 Konkurrenten wie Novomatic und Tipico beim Kauf der staatlichen Westspiel Casinos in Nordrhein-Westfalen ausgestochen.

Einen dreistelligen Millionenbetrag zu investieren, schien inmitten der Corona-Pandemie eine optimistische Entscheidung zu sein. Die ersten Zahlen aus der Halbjahresbilanz 2022 der Gauselmann Gruppe belegen jedoch, dass Erfolgskonzept der Merkur Spielbanken scheint zu greifen. Mittlerweile ist zu den vier Standorten Dortmund-Hohensyburg, Bad Oeynhausen, Aachen und Duisburg noch eine weitere Spielstätte in Monheim hinzugekommen. Über 22 Millionen Euro investiert Gauselmann in den Umbau der Merkur Spielothek zu einer echten Spielbank, um die ‚hohe Schule‘ des großen Spiels zu erweitern.

Im Rahmen der Übernahme wurde bekannt, dass der neue Konzessionsinhaber die Möglichkeit wahrnehmen kann, zwei neue Standorte für weitere Spielbanken in Nordrhein-Westfalen zu erschließen. Aber nicht nur bei den Spielbanken stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Die Merkur Casino GmbH hat ebenfalls damit begonnen, ihr Filialnetz zu vergrößern und beispielsweise im niedersächsischen Salzgitter eine neue Merkur Spielothek eröffnet. Dazu kommt das Unternehmen DGGS Deutsche Gesellschaft für Glücksspiel mbH (ehem. Mernov Betriebsgesellschaft mbH), an dem Gauselmann und Novomatic Internet-Tochter Greentube, jeweils mit 50 Prozent beteiligt sind.

Mit Merkur und Novoline Spielautomaten ist das Angebot auf Jackpot Piraten und Bing Bong ausgestattet mit der ersten Lizenz virtuelles Automatenspiel der Konkurrenz ein Stück weit voraus. Das neue Online-Standbein auf dem Heimatmarkt hat ein enorm großes Potenzial, um in Zukunft die Expansion in einem bisher nicht relevanten Bereich voranzutreiben. Gruppenfirmen wie edict eGaming, Merkur Gaming, Blueprint Gaming sowie auch Bede Gaming bauen ihren Marktanteil im Internet zunehmend aus.

Gauselmann is great again
5. Merkur NRW Spielbank in Monheim 2022 eröffnet