Automatenwirtschaft

Gauselmann macht zum ersten Mal in der Firmengeschichte Verluste und der gesamten deutschen Automatenwirtschaft droht eine riesige Insolvenzwelle! (Bild von Gerd Altmann auf Pixabay)

Als deutscher Marktführer im Bereich der Automatenwirtschaft blickt die Branche derzeit ganz genau auf das Geschehen bei Merkur Gauselmann. Zwei Lockdowns in einem Geschäftsjahr haben dem erfolgreichen deutschen Traditionsunternehmen zugesetzt. Europaweit beschäftigt die Unternehmensgruppe gut 14.000 Mitarbeiter, von denen aktuell mehr als die Hälfte in Kurzarbeit ist. Dazu kommt, dass das Kerngeschäft mit deutschen Spielautomaten der Marke Merkur in Spielotheken und Spielhallen größtenteils zum Erliegen gekommen ist. Damit hat Gauselmann in der traditionsreichen Unternehmensgeschichte erstmals ein Geschäftsjahr mit Verlusten zu Ende gebracht.

50 % Umsatzeinbruch in der deutschen Automatenwirtschaft

Deutschlandweit sind in der Automatenindustrie gut 70.000 Arbeitnehmer beschäftigt, mit Umsatzeinbußen im Bereich von 50 Prozent sind Insolvenzanträge und Entlassungen nicht mehr aufzuhalten. Dementsprechend ist damit zu rechnen, dass Tausende Arbeitsplätze wegfallen werden. Darüber hinaus sind neue Regelungen für Spielhallen und Spielotheken in Vorbereitung. Der Mindestabstand zwischen den Einrichtungen sowie ausreichend Abstand zu Schulen und anderen Standorten für Minderjährige sollen umziehen oder schließen. Für die Branche ein regelrechter Tiefschlag, denn die Corona-Pandemie hat die Reserven der meisten Unternehmen dahinschmelzen lassen.

Selbst Merkur Spielautomaten Hersteller Gauselmann hat bereits bestätigt, dass 2020 ein verlustreiches Jahr war. Kaum abzusehen, wie 2021 laufen wird vor dem Hintergrund, dass der Lockdown noch Wochen anhalten könnte. Bei einem Umsatz von knapp 2,6 Milliarden Euro, die 2019 zu Buche standen, bedeuten die aktuellen Zahlen, dass Merkur Gauselmann weit über eine halbe Milliarde Euro hinter den Umsatzerwartungen liegt. Bei laufenden Kosten für Konzessionen, Spielstätten und Mitarbeitergehälter, die auf ein normales Umsatzniveau ausgelegt sind, bedeutet das harte Zeiten für Merkur Gauselmann bevorstehen.

Wie unsere Nachrichtenredaktion bereits informierte, hat auch das britische Tochterunternehmen Gauselmann UK zu kämpfen. Aktuell verliert das Unternehmen in der Woche über eine Million Pfund, da die AGCs nicht öffnen können. Gleiches gilt für Merkur Doshina in Spanien, wo Gauselmann als Aufsteller von Automaten viele Casinos beliefert.

Automatenwirtschaft und die Angst vor dem neuen Glücksspielvertrag

Es scheint keinen Weg zurückzugeben, was die Änderungen von Konzessionsinhabern deutscher Spielhallen betrifft. Hierbei ist Gauselmann mit Merkur Casinos und Spielotheken einer der Marktführer neben anderen Betreibern, wie Novomatic, Löwen Play und die Schmidt-Gruppe. Es ist aber klar, dass mit einer Abstandsregelung von 500 Metern zwischen Einrichtungen für Jugendliche und Spielhallen vielerorts nur eine Handvoll Geschäfte übrig bleiben werden. Da viele Landesregierungen eng mit der Lobby verbandelt sind, ist daher längst nicht abzusehen, ob wirklich 13 Länder dem neuen Staatsvertrag zustimmen, der Online-Glücksspiel und terrestrische Angebote regeln soll.

Zum Beispiel hat sich bereits eine starke Opposition in Rheinland-Pfalz gegen die Einführungen des Landesglücksspielgesetzes ausgesprochen, zumindest unter den aktuellen Voraussetzungen. Mit über 4.000 Arbeitsplätzen nehmen Spielhallen im Land einen wichtigen Platz ein, der um ein Vielfaches kleiner werden würde, wenn Mindestabstände durchgesetzt werden. Der Vorschlag: Jede Kommune sollte objektiv nach den örtlichen Gegebenheiten und der Nachfrage die Anzahl von Spielstätten regeln können. Die Brisanz in diesem Thema wird mit Sicherheit zum offiziellen Inkrafttreten am 1. Juli 2021 noch an Fahrt aufnehmen.

Insolvenzen am Fließband – die deutsche Wirtschaft vor dem Abgrund

Wie der Gründervater von Merkur Gauselmann – Peter Gauselmann gegenüber die WirtschaftsWoche mitteilte, rechnet er mit einer „Riesenwelle an Insolvenzen“. Durch die Entscheidung zur Aussetzung der Insolvenzantragspflicht hat die deutsche Politik es ermöglicht, die Pleite zu verschleppen. Es ist längst nicht abzusehen, wie viele Aufstellunternehmen und Spielotheken eine Insolvenz beantragen werden, sobald dies wieder Pflicht ist. Aber noch viel gravierender ist die Tatsache, dass es noch ein Dutzend andere Branchen betrifft.

Die Gastronomie, wo auch der Hersteller Bally Wulff mit Automaten stark vertreten ist, wird sicher mit vielen Schließungen zu kämpfen haben. Am schlimmsten wird es die Tourismusbranche erwischen, wo Insolvenzen im zweistelligen Prozentbereich bevorstehen. Es stehen also nicht nur deutsche Spielhallen im Fokus bei Thema Existenzprobleme, auch andere Branchen trifft es hart. In der Summe wird es Deutschland hart treffen, denn die bevorstehende Massenarbeitslosigkeit ist nur noch eine Frage der Zeit.

Paul Gauselmann geht jedoch davon aus, dass zumindest die Automatenbranche sich wieder erholen wird. Die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben gezeigt, dass im dritten Quartal die Umsätze fast Vorjahresniveau erreicht haben. Allerdings werden das wohl nicht alle mittelständischen Betriebe aus der Automatenwirtschaft erleben.

Kohärenz für deutsche Online-Casinos und Spielhallen Mindestabstände nicht erkennbar

In Deutschland werden Online-Casinos legalisiert. Seit Oktober 2020 dürfen diese sogar im Rahmen einer Übergangsregelung legal Merkur Spiele anbieten. Dieser Geschäftsbereich, den Gauselmann über Jahre eigentlich nicht wirklich großflächig bedient hat, ist auf einmal am Durchstarten. Demzufolge wandern immer mehr Spieler zum Online-Angebot über, wenn die örtliche Spielo zu hat. Momentan sind aber nicht nur deutsche Merkur Casinos online, sondern viele Anbieter aus aller Welt, die nicht immer staatlich reguliert und sicher sind. Daher ist der Verband der Automatenwirtschaft darauf aus, die Spielstätten unter einem Hygienekonzept wieder öffnen zu lassen, um die Pleitewelle nicht noch größer werden zu lassen und sichere Spielangebote zu offerieren.

Hierbei taucht immer wieder der fehlende Zusammenhang zwischen immer verfügbaren, bald legalen Online Casinos auf und einem verpflichtenden Mindestabstand für stationäre Spielhallen. Der Sinn, Jugendliche zu schützen, leuchtet ein, aber ist es denn nicht einfacher, im Internet eine Webseite aufzurufen und Glücksspielen zu begegnen. Die Altersverifizierung soll es in Deutschland unmöglich machen, dass Minderjährige Spielautomaten online spielen, doch in der Spielhalle müssen diese sich doch ebenso ausweisen.

Den Ärger der Automatenindustrie können wir nachvollziehen. Online-Glücksspiel legalisieren und gleichzeitig deutschen Unternehmen buchstäblich in den Bankrott treiben, das sollte eigentlich nicht Sinn und Zweck des Glücksspielvertrags sein. Zumal die breite Masse an Casino Anbietern im Internet nicht aus Deutschland kommt. Gleichwohl Merkur Automaten ein Zugpferd in der virtuellen Lobby sind, die Betreiber heißen nicht immer Löwen Play, sondern sitzen auf Malta, Zypern oder in Großbritannien.