Deutschlands Problem mit dem illegalen Glücksspiel

Das illegale Glücksspiel konnte der neue Glücksspielstaatsvertrag 2023 noch nicht nachhaltig bekämpfen! (Bildquelle: drice22 auf Unsplash)

Neuer Staatsvertrag zur Regulierung des Glücksspielsektors in Deutschland und die gleichen alten Probleme haben nach wie vor Bestand! Den Rahmen des 8. Bundeskongresses zum Glücksspielwesen haben zahlreiche Referenten genutzt, um über die Regeln, Trends und aktuelle Situation am deutschen Online-Glücksspielmarkt zu diskutieren. Einen wirklich interessanten Beitrag lieferte Wes Himes vom britischen Dachverband der Wettanbieter sowie Glücksspielbetreiber Betting & Gambling Counsel UK. Diese Interessenvertretung ist mit den deutschen Verbänden Deutscher Online Casinoverband (DOCV) und Sportwettenverband (DSWV) vergleichbar. Mit seiner Erfahrung aus beinahe zwei Jahrzehnten Regulierung und dem Wandel in der britischen Glücksspielbranche, hat er erhebliche Zweifel am Gelingen des großen Kanalisierungsvorhabens in Deutschland zum Ausdruck gebracht.

Legales Glücksspiel braucht wettbewerbsfähige Bedingungen

Wes Himes vom Betting and Gaming Council (BGC) erklärte den Delegierten auf der Konferenz am 5. Oktober am Roundtable zu UK & Deutschland unter anderem: Das nur ein regulierter, von Wettbewerbsfähigkeit geprägter Markt als ein wirklich wirksames Instrument zur Eindämmung des Problems des illegalen Glücksspiels in Betracht zu ziehen ist. Und der Branchenfachmann spricht aus Erfahrung. Er ist seit vielen Jahren mit BGC tätig, dem einzigen Branchenverband für Wetten und Glücksspiele und vertritt Wettbüros, Online-Glücksspielunternehmen und Casinos im Vereinigten Königreich.

Für ihn gibt es nur wenige Parallelen zwischen dem deutschen und britischen Weg, wobei die Reise zu modernen Reformen mit vielen Hürden verbunden war und im Grunde lange noch nicht zu Ende ist. Nach einer dreijährigen Debatte und sechs verschiedenen Glücksspielministern reihten sich die Kritiker ein, um die langsamen Fortschritte bei der Regulierungsreform in Großbritannien, dem Heimatmarkt des BGC, in Frage zu stellen. In Deutschland hingegen wird das Glückspielgesetz als erfolgreiches, kooperatives und verhältnismäßiges Modell für die bessere Regulierung des Glücksspiels angepriesen.

In den Medien werden bekommen vor allem Kritiker eine Bühne, die noch schärferer Regelungen verlangen, ohne dabei die fast schon versagende Rechtslage in den Mittelpunkt zu rücken. Mittlerweile kann man von einem ausufernden Schwarzmarkt sprechen, was die aktuellen Zahlen zur virtuellen Automatenspielsteuer belegen. Diese ist innerhalb von einem Jahr um fast die Hälfte zurückgegangen und dabei ist der Glücksspielstaatsvertrag gerade er im Juli 2021 vor etwas mehr als zwei Jahren in Kraft getreten.

Ein Zitat von Wes Himes vom Glücksspiel Bundeskongress am 5. Oktober 2023: „Das beste Gegenmittel gegen den illegalen Markt ist ein wettbewerbsfähiger, regulierter Markt.“

Mangelt es dem Spielangebot an Attraktivität?

Für Wes Helmes ist Deutschland mit legalen Online Casinos nicht wirklich konkurrenzfähig gegenüber den Anbietern ohne Lizenz. Ein Spielangebot, bei dem der Einsatz an Online-Spielautomaten generell auf 1 Euro begrenzt ist und die monatlichen Einzahlungen auf 1000 Euro gedeckelt sind, spricht viele Politiker an, doch in Großbritannien wird den Schwerpunkt eher auf die Mäßigung als auf das Verbot von Aktivitäten legt. Nach Ansicht von Gästen und Diskussionsteilnehmern des Bundeskongresses für Glücksspielwesen wurde die strenge Kontrolle der finanziellen Möglichkeiten von vielen als aufdringlich und übertrieben kritisiert, aber sie bietet einen individuellen Kompromiss, der in Deutschland fehlt.

Die Bonitätsprüfung erlaubt mehr Flexibilität als pauschal alle Spieler auf einen Nennwert einzuschränken. Wobei es mittlerweile erste kleine Lockerungen gibt. Das JackpotPiraten Casino informierte zu einer Erhöhung des monatlichen Einzahlungslimits auf bis zu 10 000 Euro, vorausgesetzt die damit einhergehende Prüfung der Bonität lässt eine Erhöhung zu. Denn Einzahlungen müssen in Übereinstimmung mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen über das LUGAS System einem festgesetzten Limit unterliegen. Dieses Limit beträgt maximal 1000 Euro pro Monat und kann nun nach Einzelprüfung für Wetten und das Glücksspiel online erhöht werden.

Es braucht Veränderungen, denn die strikten Vorschriften tragen nur dazu bei, den illegalen Wettbewerb in den Bereichen des stationären Glücksspiels sowie in den Online Casinos zu verstärken. Immer wieder kommen Studien an die Öffentlichkeit, die belegen, dass es in Deutschland ein florierendes Geschäftsmodell ist, Automaten ohne Genehmigung aufzustellen. Zuletzt berichtete unter anderem die Bild-Zeitung über einen Rückzug von Wettveranstaltern und Spielhallenbetreibern in Berlin, weil diese mit Klagen gegen Abstandsvorgaben gescheitert sind. Die Mindestabstände scheinen mutmaßlich nicht immer nachvollziehbar zu sein. Während eine glücksspielrechtlich erlaubte Spielhalle schließen muss, läuft das illegale Automatenspiel buchstäblich nebenan konkurrenzlos weiter.

Illegales Glücksspiel breitet sich weiter aus: 50.000 illegale Spielautomaten

Eine Feldstudie von „Die Deutsche Automatenwirtschaft“ aus den Jahren 2021/2022 brachte hervor, dass auf 180 000 zugelassene Glücksspielautomaten bundesweit rund 50 000 Geldspielgeräte ohne Erlaubnis kommen. Bei so einem großen Angebot für illegalen Glücksspiel muss es auch eine Nachfrage geben!

Im Berliner Maritim Hotel proArte wurden am 4. und 5. Oktober 2023 auf dem Bundeskongress zum Glücksspielwesen viele interessante Themen diskutiert und vor allem auch Kritik an der Online-Glücksspiel-Rechtslage in Deutschland geübt.

Ein neuer Glücksspielvertrag, die gleichen alten Probleme

Auf einer von der auf Glücksspielrecht spezialisierten Kanzlei Hambach & Hambach organisierten Veranstaltung legte Sam Brown, Geschäftsführer des Betreibers Rootz, die Auswirkungen der Neuregulierung offen. Der Zusammenhang zwischen der Neuregulierung und der Zunahme illegaler Online-Spiele sei eindeutig, erklärte er. In der Zeit vor dem sogenannten Duldungszeitraum, in dem Unternehmen, die sich an die Auflagen des Staatsvertrags von 2021 hielten, ohne Lizenz tätig sein durften, haben die Spieler bei Rootz im Durchschnitt 350 Euro umgesetzt, erklärte Brown, und die Bruttoeinnahmen pro Spieler betrugen durchschnittlich 141 Euro. Im August 2023 sind die durchschnittlichen Einzahlungen der Kunden jedoch um 80 Prozent auf 150 Euro gesunken, und der Bruttoumsatz pro Spieler hat sich auf 73 Euro halbiert.

Vor der Regulierung gingen etwa 10 Prozent des Umsatzes von Rootz in den regulierten Markt, so Brown weiter. „Und sie haben nicht aufgehört zu spielen und ein anderes Hobby gefunden“. Mit nun legal lizenzierten Angeboten von Wildz Casino, Spinz Casino und Wheelz Casino wird entsprechend weniger umgesetzt als noch vor zwei Jahren im Rahmen der Übergangsphase zum liberalisierten Markt. Rigorose Beschränkungen wie Einzahlungs- und Einsatzlimits spielen seiner Meinung nach eine große Rolle beim Aufschwung des Schwarzmarkts. Die Prävention von Schäden sollte letztlich in der Verantwortung der Betreiber liegen, fügte Brown hinzu und griff damit eine Aussage von Wes Himes auf, wonach die britischen Betreiber ihre führende Rolle beim Spielerschutz anerkennen sollten.

Nicht die Glücksspielaufsichtsbehörden und nicht die Gesetzgeber, sondern die Online Casinos verfügen über alle Daten. Spielsüchtige Kunden sind schlecht fürs Geschäft, sagte Brown, aber ein personalisierter Ansatz, der sich auf einzelne Spieler bezieht, wird effektiver sein als die pauschalen Beschränkungen in Deutschland. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn die Verbraucher auf neue Casino Webseite ohne Zulassung und Spielerschutz ausweichen. Brown geht davon aus, dass etwa 80 Prozent der Online Slots illegal gespielt werden, was weit von den Behauptungen der neuen Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) über eine hohe Kanalisierung entfernt ist.

Deutschland kassiert rund 1,3 Mrd. Euro an Glücksspielsteuer im 1. Halbjahr 2023

Am Steuervolumen machen sich Marktveränderungen zuerst bemerkbar. Und im ersten Halbjahr 2023 haben alles Segmente der Glücksspielsteuer rund 5,5 Prozent verloren, wobei die Lotterien eine Steigerung hingelegt haben. Das heißt, die neu regulierten Bereiche der Sportwetten und das Online-Glücksspiel sind weithin rückläufig. Gewettet und gespielt wird aber wahrscheinlich nicht weniger!

Wenig Spielangebote, langsamer Nachschub an neuen Automatenspielen, niedrige Einsatzlevel und Obergrenzen für Einzahlungen machen es den Marktteilnehmern in Deutschland schwer, dem vielfältig aufgestellten Schwarzmarkt etwas entgegenzusetzen.

Mehr Spielmöglichkeiten auf dem Schwarzmarkt

Die legalen und illegalen Märkte arbeiten meist mit denselben Anbietern von Online-Glücksspielen zusammen. Book of Dead, Eye of Horus, Book of Secrets oder Razor Shark gibt es schließlich nicht exclusive für deutsche Online Casinos. Wie Yannick Skulsky, Salary Partner bei Hambach & Hambach, auf dem Podium des Bundeskongresses betont, können in Deutschland legale Spielotheken online – entgegen der Annahme – auch nicht als Casino online vermarktet werden. Das Wort „Casino“ bleibt den auf Landesebene zu erlaubenden Online-Tischspielangeboten vorbehalten. Darüber hinaus ist es für legale seriöse Casino Anbieter sehr schwierig, neue Spiele auf den Markt zu bringen, während es für illegale Anbieter relativ einfach und lukrativ ist, dies zu tun.

Manuelle Prüfungen sind im Staatsvertrag fest verankert und das kostet Zeit. Jede Online-Spielhalle muss jedes Spiel einzeln genehmigen lassen. Es gibt keine GGL Whitelist für Spiele in Echtgeld Casinos, sondern nur für Erlaubnisinhaber, die wiederum virtuelle Automatenspiele einzeln zur Prüfung und Freigabe einreichen müssen. Auf dem legalen Markt benötigen die einzelnen Spiele eine Zulassung. Ein Veranstalter braucht eine Lizenz für das Anbieten von Spielautomaten und dann eine spezielle Genehmigung für jedes Spiel.
Die deutsche Aufsichtsbehörde für Glücksspiel, die ihre Prüfungen intern durchführt, hat die Möglichkeit, rund 150 Mitarbeiter einzustellen. Derzeit beschäftigt die Glücksspielaufsicht etwa die Hälfte davon, eine Mischung aus Teil- und Vollzeitbeschäftigten. Bei der Zertifizierung von Spielautomaten gibt es zwangsläufig einen Nachholbedarf. Theoretisch kann ein Entwicklerstudio seine legale Markteinführung für lizenzierte Online Casinos Deutschland zurückhalten, während die Einnahmen durch ein nicht erlaubten Glücksspielportal fließen.

Die deutsche Aufsichtsbehörde für Glücksspiel, die ihre Prüfungen intern durchführt, hat die Möglichkeit, rund 150 Mitarbeiter einzustellen. Derzeit beschäftigt die Glücksspielaufsicht etwa die Hälfte davon, eine Mischung aus Teil- und Vollzeitbeschäftigten. Bei der Zertifizierung von Spielautomaten gibt es zwangsläufig einen Nachholbedarf. Theoretisch kann ein Entwicklerstudio seine legale Markteinführung für lizenzierte Online Casinos Deutschland zurückhalten, während die Einnahmen durch ein nicht erlaubten Glücksspielportal fließen.

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