Deutschland: Lizenzierte Online Casinos verlieren an Boden

Kippt der Markt für lizenzierte Online Casinos in Deutschland weg? Verbände üben Kritik am restriktivsten Ansatz! Auf dem Foto zu sehen sind Mathias Dahms (DSWV) und Dr. Dirk Quermann (DOCV)! (Bildquelle: DOCV)

Der regulierte Markt für Online-Glücksspiel in Deutschland ist auf dem absteigenden Ast. Der Sektor droht in illegalen Angeboten förmlich zu ertrinken. Zum diesem Schluss kommen die drei großen Dachverbände der Glücksspielindustrie sowie Wettbranche in Deutschland und Österreich, die den klangvollen Rahmen der ICE 2024 in London nutzen, um dem brisanten Thema mehr Gehör zu verschaffen. Schließlich haben die zuständigen Behörden bis lang vor allem versucht Studienergebnisse mit eigenen Daten branchenfreundlicher darzustellen. Jetzt schrillen bei den einschlägigen Verbandskreisen die Alarmglocken. Eindringlich mahnt der Deutsche Online Casinoverband (DOCV), dass der Markt für lizenzierte Online Casinos in Deutschland augenscheinlich „in den illegalen Sektor kippt”.

Haben lizenzierte Online Casinos überhaupt eine Chance?

Das Online-Glücksspiel im legalen Bereich ist auf dem Rückzug und scheint offenbar keine Mittel zu haben, um der illegalen Konkurrenz Herr zu werden. Anlass zu dieser deutlichen Botschaft war das bereits durch Spinsfactory thematisierte „Regulator Update”. Diese Veranstaltung bot eine Möglichkeit, im Rahmen der ICE-Glücksspielmesse in London Branche, Verbände und Regulatoren zusammenzubringen. Den ungezwungenen Rahmen nutzte die Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (ÖVWG), der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) sowie der DOCV, um über die Entwicklungen am Markt zu informieren.

Dabei nutzten die Verbände ihren tiefgreifenden Einblick als Schnittstelle von Glücksspielindustrie und Regulierungsbehörden, um auf den negativen Ausblick aufmerksam zu machen. Als Argument für die mahnenden Worte vom Chef des Deutschen Online Casinoverbands verwies Dr. Quermann vor allem auf eine Tatsache, die wir bei Spinsfactory im Grund schon sein fast zwei Jahren monatlich im Blick haben – die Spielautomaten Steuern auf virtuelle Automatenspiele. Hier sei nur „schwer zu bestreiten”, dass diese Steuerquelle trotz eines an und für sich jungen Marktes für lizenzierte Online Casinos Deutschland fast schon periodisch mit einem rückläufigen Steueraufkommen zu leben hat.

Verbandschef des DOCV – Dr. Dirk Quermann erklärt: „Die Steuereinnahmen aus dem Online-Automatenspiel betragen derzeit nur 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Leute spielen aber nicht weniger. Also spielen sie woanders – und zwar illegal.”

Restriktivster Ansatz in der Kritik

Die staatliche Aufsicht für das Glücksspiel in Halle nutzt ihre regulatorischen Spielräume nicht aus, um behördlich zugelassene Online Casinos Deutschland zu stärken. Bei der Tagung vor einer internationalen Fachwelt kamen durchaus eine Reihe von aufsichtsrechtlichen Detailfragen zur Sprache, die das legale Glücksspiel in Deutschland nach Einschätzung der Verbände nicht konkurrenzfähig gestalten. Nachhaltiger Spielerschutz ohne Beschränkungen funktioniert nicht, aber zu viel Regulierung lässt das spielaffine Publikum im Digitalzeitalter schnell abwandern, ohne dabei auf Lizenzen zu achten. Kritik wurde daher auch übergreifender während der Diskussionen vernommen.

Hierzu warf Dr. Quermann vom DOCV die berechtigte Frage in den Raum, wofür die deutsche Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) eigentlich stehe. Aus seiner Perspektive schöpfe die Behörde die ihr zur Verfügung stehenden Befugnisse nicht aus. Bei der Ausgestaltung der Regulierung des Online-Glücksspiels werde „grundsätzlich der restriktivste Ansatz” zu Grunde gelegt. Diese Ansicht teilt einstweilen auch der Vorsitzende des etablierten Verbandes der Sportwettenanbieter in Deutschland – Mathias Dahms.

Exemplarisch führte er das in Deutschland freigegebene Wettangebot an. Dieses umfasst kaum ein Drittel des zum Beispiel in Großbritannien zulässigen Spektrums. Das Grundproblem ist letztlich die Ansicht, dass die Gesetzgebung gewissermaßen auch erzieherisch auf die Verbraucher Einfluss nehmen soll. In legale Bahnen lenken und in einen Spielrahmen pressen, das scheint aufgrund der grenzenlosen Möglichkeiten des Internets nicht zu funktionieren.

Dr. Dirk Quermann richtet folgenden Appell an die Glücksspielbehörde GGL: „Sich nicht mehr als Hüter der Galaxis zu verstehen. Es reicht, wenn sie die Hüter des legalen Spiels sind”. Sonst „kriegen wir den Markt nicht in die Legalität. Dann kippt er.“

Regulator Update der Verbände DOCV, DSWV, OVWG und GGL

Well done, London! Das RegulatoryUpdate des DOCV, DSWV und OVWG auf der letzten Londoner Hashtag#ICE bleibt in guter Erinnerung. Dem wachsenden illegalen Markt muss ein starkes legales Angebot gegenübergestellt werden. Nach zweieinhalb Jahren GlüStV wird es Zeit zu lernen, anzupassen und umzusetzen. Politik, Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft müssen an einem Strang ziehen. Dr. Joerg Hofmann und Birgitte Sand gilt Dank für die wertvolle juristische Einordnung und die Moderation. Neben den zahlreichen Besuchern danken wir den Vertretern der GGL, die keine Frage unbeantwortet ließen.

Personalmangel auf bei der GGL

Im Verlauf des Treffens konnte festgestellt werden, dass die Gesprächskanäle zwischen den Verbänden und der Glücksspielaufsicht GGL gut funktionieren. Die teilnehmenden Delegierten der Regulierungsbehörde bestätigten den konstruktiven Dialog und wiesen insbesondere auf personelle Engpässe in der zuständigen Institution in Halle hin. Problematisch sei dieses Kapazitätsthema zum Beispiel bei der Lizenzierung von Online-Casinospielen.

An dieser Problematik werde aber mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet, da aufgrund der verpflichtenden manuellen Prüfung schlichtweg viel Zeit verloren geht. Hinsichtlich der generellen kritischen Anmerkungen wurde sich jedoch auf die Regelungen des Glücksspielstaatsvertrages und dessen Umsetzung berufen. Diese müsse man umsetzen. Änderungen bleiben der Politik vorbehalten und diese können nach aktueller Regelung nur im Zuge einer Evaluierung des Glücksspielvertrags vorgenommen werden, die für 2026 vorgesehen ist.