Der Glücksspielatlas Deutschland 2023 gibt Anlass zur Sorge

In Deutschland sind laut Glücksspielatlas Deutschland 2023 knapp ein Drittel der Erwachsenen abhängig vom Glücksspiel!

Der deutsche Forschungsbericht bringt bedenkliche Ergebnisse über problematisches Glücksspiel zum Vorschein. In dem Bericht „Glücksspielatlas Deutschland 2023: Zahlen, Daten, Fakten“ – vorgestellt durch den Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert, am 14.11.2023 bietet eine gute Darstellung vom deutschen Glücksspielmarkt und zur Teilnahme sowie damit einhergehenden Schwierigkeiten. Das Mitwirken an Glücksspielen ist nicht für alle reine Unterhaltung. Eine Reihe von Personen wird dabei nachhaltig glücksspielbezogenen Problemen ausgesetzt und hierzu liefert die Bestandsaufnahme teils besorgniserregende Fakten. Laut dem Bericht, der auf Daten aus dem Jahr 2021 beruht, ist etwa ein Drittel der deutschen Erwachsenen in irgendeiner Form spielsüchtig.

Glücksspielatlas Deutschland 2023: Rund ein Drittel aller Erwachsenen von Spielsucht betroffen

Der Glücksspielatlas Deutschland 2023, der von der Bundesdrogenbeauftragten in Deutschland vorgestellt wurde, hat beunruhigende Daten über Glücksspielstörungen in Deutschland enthüllt. Der Report, den die Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert im November vorstellte, bedeutet zwar gegenüber dem Anteil von 55 Prozent, der 14 Jahre zuvor im Jahr 2007 ermittelt wurde, zeigt aber auch eine Reihe von alarmierenden Daten. Immerhin hat ein Anteil von 7,7 Prozent der deutschen Erwachsenen ein Problem mit der Glücksspielsucht. Der neue in Deutschland veröffentlichte Jahresbericht über problematisches Glücksspiel lässt nichts Gutes ahnen.

Wie aus dem gemeinsamen Bericht des Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung in Hamburg, dem Zentrum für Suchtfragen in Hamm und der Abteilung Glücksspielforschung der Universität Bremen hervorgeht, haben 7,7 Prozent der Deutschen über 18 Jahren soziale, finanzielle oder gesundheitliche Probleme, die mit ihrer Spielsucht zusammenhängen. Mit anderen Worten: Es gibt derzeit etwa 1,3 Millionen volljährige Spieler, die an einer Glücksspielsucht leiden. Der Drogenbeauftragte vom Bund argumentierte, dass Glücksspiel „selten glücklich macht“, und betonte, dass weitere 3,3 Millionen deutsche Erwachsene derzeit erste Anzeichen zeigen, die auf eine künftige Spielsucht hindeuten könnten.

13,4 Milliarden Euro beim Glücksspiel verloren

Bei den Ausführungen des Drogen- und Suchtbeauftragten Burkhard Blienert hat die Summe 13,4 Milliarden Euro besonders die Aufmerksamkeit erregt. Diese beschreibt nicht den Gesamtumsatz, sondern ausschließlich, die in legalen Online Casinos, Spielbanken, Wettbüros und anderen Angeboten 2021 verzockt wurden. In welcher Höhe Gewinne ausgezahlt worden, ist nicht bekannt. Neben dem Bundesbeauftragten kam auch Christina Rummel von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zum Thema Glücksspiel zu Wort und bezeichnete es als „Krankheit“. Und wer ist anfälliger für Glücksspielprobleme?

Dieser Frage geht der deutsche Forschungsbericht Glücksspielatlas Deutschland 2023 ebenfalls auf den Grund. In diesem Bericht wurde ein umfassender Überblick darüber gegeben, wie junge Erwachsene und Männer im Alter zwischen 21 und 35 Jahren dazu neigen, mit dem Glücksspiel Schwierigkeiten zu bekommen. Ein ähnliches erhöhtes Risikopotenzial weisen Personen auf, die unter psychischen Störungen leiden, sowie Personen, die große Mengen an Alkohol konsumieren.

Eine weitere Risikogruppe für problematisches Glücksspiel sind Migranten, die, wie der Glücksspiel-Experte Tobias Hayer über die Katholische Nachrichten-Agentur Deutschlands erklärte, Glücksspiele als Selbstmedikation nutzen, um Traumata, finanzielle Schwierigkeiten oder das Gefühl, von anderen Mitgliedern der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden, zu bewältigen. Und schließlich hat die Pandemie zum Anstieg der Zahl der Glücksspielsüchtigen beigetragen. Vor allem deutsche Online Casinos, ob legal oder nicht, wurden verstärkt frequentiert. Dem Bericht zufolge ist dies auf die gefährdeten Personengruppen zurückzuführen, die plötzlich gezwungen waren, sich zu isolieren und mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

EM 2024: Suchtbeauftragter Blienert forciert Werbeverbot für Wettanbieter

(Bildquelle: © Sucht- und Drogenbeauftragter/Thomas Ecke)

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) informiert im offiziellen „Jahrbuch Sucht 2023“ zu den Entwicklungen. Einige der erhobenen Kennzahlen hat der Deutsche Sportwettenverband infrage gestellt.

Spielsucht wird durch Live-Sportwetten gefördert

Abgesehen von den klassischen Spielautomaten in Spielhallen wird in dem Bericht auch die Zunahme von Live-Sportwetten als ein wichtiges Element genannt, das glücksspielbezogene Suchtrisiken begünstigt. Wetten auf Fußball sind ein besonders problematisches Thema, vor allem im Zusammenhang mit dem beliebten Wettanbieter bwin. Dieser hat eine große Anzahl von Partnerschaften mit dem Deutschen Fußball-Bund und wichtigen Fußballvereinen des Landes geschlossen, darunter Borussia Dortmund und Dynamo Dresden. Der ehemalige Torhüter, Kapitän und Vorstandsvorsitzende von Bayern München, Oliver Kahn, wurde ab 2012 acht Jahre lang in Folge zum öffentlichen Gesicht von Tipico, einem weiteren beliebten Sportwettenanbieter sowie Veranstalter virtueller Automatenspiele in Deutschland, ernannt.

Und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist Markenbotschafter für den Sportwetten- und Online-Casino-Anbieter Interwetten. Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnte vor der gefährlichen Verharmlosung von Sportwetten und Glücksspielen. Besonders die Wetten seien durch die Verknüpfung mit Live-Sport stark suchtgefährdend. Zumal die Logos Betreiber zur besten Sendezeit auf Trikots, Banden und nicht zuletzt in TV-Sports zu sehen sind. Es braucht hierfür gleich mehre Beschränkungen. Derzeit ist es fast unmöglich, in Deutschland Fußball live zu schauen, ohne dabei Werbung für Wettanbieter zu sehen. Der Kommissar forderte ein TV-Werbeverbot für Glücksspiele vor 23 Uhr, obwohl die Branche im Jahr 2022 massive Bruttoeinnahmen in Höhe von 13,4 Milliarden Euro und im Jahr 2021 etwa 5,2 Milliarden Euro in Form von Steuern in die Staatskasse gespült hat.

Ende September hat die deutsche Glücksspielregulierungsbehörde Informationen über die Maßnahmen vorgelegt, die Online-Spieler vor Spielsucht und Schäden schützen sollen. Zur gleichen Zeit erreichten die Regelungen in Bezug auf Lootboxen in Videospielen den Bundestag. Abgeordnete verschiedener Parteien sprachen sich für restriktivere Vorschriften aus, die den Mechanismen auferlegt werden sollten, um das Risiko der Spielsucht in Bezug auf Lootboxen zu verringern. Im Vormonat kritisierte der Verband der Sportwettenanbieter im Lande die Fehlinterpretation von Daten zum problematischen Glücksspiel, wie sie in der Glücksspielstudie 2021 dargestellt wurden. Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) kritisierte die Art und Weise, wie die Zahl der als problematisch eingestuften Spieler in den Medien dargestellt wurde.

DHS-Jahrbuch Sucht 2023 veröffentlicht Zahlen

Geht es nach der Auffassung des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert (Abb.), dann sollten Maßnahmen ergriffen werden, um Werbung für Sportwetten im Rahmen der Fußball-EM 2024 komplett zu verbieten.

Burkhard Blienert, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen: „Mit dem nun vorliegenden Glücksspielatlas 2023 werden alle zentralen Daten und Fakten rund um das Glücksspiel gebündelt. Damit bekommen wir jetzt eine gute Grundlage für die Diskussion über den richtigen Umgang mit dem Glücksspiel und seinen Folgen. Und die brauchen wir dringend! Dass Glücksspielangebote mit schnellen und teils hohen Geldgewinnen locken, ist hinlänglich bekannt. Aber wie hoch das Suchtrisiko wirklich ist – und zwar ab dem ersten Spiel –, das weiß kaum jemand, auch nicht in der Politik. Wir brauchen dringend wirkungsvollere Maßnahmen gegen das illegale Automaten- und Onlinespiel. Und gerade bei Sportwetten sollten der Werbung schnellstmöglich engere Grenzen gesetzt werden. Es muss einfach Schluss sein mit den Sportwetten-Spots vor, nach und während der Sportberichterstattung selbst im Nachmittags- und Frühabendprogramm. Niemand will das, niemand braucht das und niemandem tut das gut. Baustelle Nummer drei sind die sogenannten Lootboxen in Onlinespielen. Wenn Jugendliche in scheinbar harmlosen Games gezielt auf das Spiel mit Geld und vermeintlichem Glück gelockt werden, dann stimmt etwas nicht. Auch hier brauchen wir in Deutschland wirkungsvolle Jugendschutzregelungen.“

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