EM 2024: Suchtbeauftragter Blienert forciert Werbeverbot für Wettanbieter

Nächste Runde eingeläutet: Sportwettenwerbung ist dem Suchtbeauftragten der Bundesregierung, Burkhard Blienert, ein Dorn im Auge, weshalb er Fußball-EM 2024 eine Werbeverbot für Wettanbieter fordert! (Bildquelle: © Sucht- und Drogenbeauftragter/Thomas Ecke)

Für die legale Wettbranche ist die Fußball-Europameisterschaft 2024 im eigenen Land vermutlich die umsatzstärkste Phase des Jahrzehnts. Die kränkelnde Industrie versucht sich im Spagat zwischen legal sein und aus der Rechtslage heraus das maximal mögliche herauszuholen, während der Schwarzmarkt angeblich floriert. Der Deutsche Sportwettenverband sowie die Glücksspielbehörde GGL haben hierzu bereits mit unterschiedlichen Meinungen Stellung bezogen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenpolitik, Burkhard Blienert, positioniert sich jedoch dafür, den erlaubten Wettanbietern mit deutscher Lizenz ein Werbeverbot zu erteilen. In der Presseerklärung ist die Rede von einem Verzicht auf Werbung für Sportwetten im Rahmen der Fußball-EM 2024, die vom 14. Juni bis 14. Juli in Deutschland ausgetragen wird.

Suchtbeauftragter möchte zur EM 2024 ein Exempel statuieren

In Deutschland ist Sportwettenwerbung schon seit vielen Jahren omnipräsent. Sei es in den Stadien der Fußballklubs oder im Radio, Fernsehen und im Internet. Einst mit Schleswig-Holstein-Lizenz im Rücken und dem Hinweis auf die Zulässigkeit mit Wohnsitz im nördlichen Bundesland beworben, darf heut den Richtlinien und Nebenbestimmungen zur Werbung im Glücksspielstaatsvertrag entsprechend jeder Wettanbieter mit deutscher Lizenz für seine Angebote werben. Doch zum Weltereignis UEFA EURO 2024 in Deutschland plant der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen ein starkes Zeichen zu setzen und will ohne Sportwettenwerbung durch das Turnier kommen.

Ein Zeichen setzen will mutmaßlich auch Turnierdirektor Philipp Lahm. Der ökologische Fußabdruck der Fußball-EM soll möglichst klein ausfallen. Hierzu haben die grün geführten Ministerien für Wirtschaft und Umwelt wohl in Betracht gezogen, dass alle teilnehmenden Nationalverbände bei der Europameisterschaft die entstehenden Treibhausgase finanziell auszugleichen haben. Werbeverbot für Sportwetten und Kompensationen für den CO2-Fußabdruck der Verbände machen deutlich, wie „unpolitisch“ ein sportliches Großereignis wie die EM 2024 sein kann.

Für den SPD-Politiker geht es vor allem um das hohe Suchtpotenzial, welches von Sportwetten ausgeht. Im Rahmen der EM 2024 würden etwaige Werbeinhalte ein Millionenpublikum erreichen, welches womöglich erst dadurch mit Sportwetten in Berührung kommt. Auf der anderen Seite werden die vielen als potenziell sportwettsüchtig oder zumindest als gefährdet einzustufende Personen mit Werbung angesprochen. Im Jahresbericht der Deutschen Suchthilfe wird auf die Gefahren hingewiesen und auch davon gesprochen, dass etwa jeder Dritte Wettkunde bereits einem erhöhten Suchtrisiko ausgesetzt ist.

Der Sucht- und Drogenbeauftragte Blienert erklärt gegenüber der DPA unter anderem „Werbung raus aus der Primetime, eine Ausstrahlung allenfalls nach 23.00 Uhr“. Aktuell sind die Werberegelungen über den Glücksspielstaatsvertrag jedoch bindend und diese gewähren den lizenzierten Wettveranstaltern mehr Freiheiten.

Der Sport wird offensichtlich stärker denn je politisch „missbraucht“

Offiziell werden seit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages 2021 Lizenzen für Sportwettenanbieter in Deutschland vergeben. Das Prozedere steuert wie bei jedem Online Casino mit deutscher Lizenz die zuständige Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz im sachsen-anhaltischen Halle. Diese überwacht auch deren Werbeverhalten und ist hierbei über ein Hinweisgebersystem auch durch Anzeigen Dritter bei Zuwiderhandlung angewiesen. Dass nun der Drogenbeauftragte Burkhard Blienert das Thema Werbeverbot wieder aufwärmt und das im Kontext mit dem EM 2024, kommt nicht von ungefähr.

Schon mehrfach hat er in den letzten Wochen und Monaten darauf hingewiesen, dass Sportwetten- und Glücksspielwerbung verboten werden muss. Dabei wurde dezent stets auf die buchstäblich in Stein gemeißelten Regeln des Glücksspielstaatsvertrages verwiesen. Dieser ist gerade seit 1. Juli 2021 in Kraft und sollte mit seinem ersten Evaluierungsbericht im Jahr 2026 auf den Prüfstand gestellt werden. Offensichtlich sind vorher keine Änderungen bei den Werberichtlinien möglich. Ein Verbot für EM 2024 Sportwettenwerbung ist damit eigentlich nicht möglich. Zumal bereits im Rahmen der Innenministerkonferenz im Herbst 2021 mehrheitlich dafür gestimmt wurde, die Evaluierung des gültigen Staatsvertrages zur Regulierung des Glücksspielwesens nicht vor 2026 anzusetzen.

In der Pressemitteilung klingt es mehr nach einem freiwilligen Verzicht der Wettbranche, die der 57-jährige Drogen- und Suchtbeauftragte forciert. Allerdings ist nur schwer davon auszugehen, dass sich Wettunternehmen das umsatzstärkste Ereignis freiwillig wegnehmen lassen. Schließlich ist die Werbung für Wettanbieter von deutlich größerer Relevanz als beispielsweise für ein Online Casino Deutschland, da Glücksspielanbieter ohnehin strengeren Anforderungen in diesem Bereich unterliegen. Zudem sind Online-Wetten meist mit TV-relevanten Events verbunden, was diesen Werbekanal zusätzlich an Bedeutung verleiht. Von Seiten des Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV) wird es allerdings als nicht realistisch bewertet, dass es zu einem Verbot kommt, da hierfür der Glücksspielvertrag zu ändern ist und dafür braucht es eine Mehrheit in den Ländern.

Deutscher Sportwettenverband hält EM 2024 Werbeverbot für Sportwetten für unrealistisch

Vom DSWV hat sich Präsident Matthias Dahms zur Blienert-Agenda „zur Heim-EM ein Zeichen setzen“ wie folgt geäußert: „Ich kann ausschließen, dass es zur EM ein Werbeverbot für Sportwetten geben wird. Dazu müsste der Glücksspielstaatsvertrag geändert werden. Das ist in der Kürze der Zeit meines Erachtens unmöglich und ist unter den 16 Bundesländern auch nicht mehrheitsfähig.“

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt Suchtbeauftragter Burkhard Blienert: „Die EM 2024 ist ein Großereignis, was zumindest mal in ganz Europa mit Begeisterung verfolgt wird. Diese Veranstaltung soll ein Fußballfest sein und nicht durch Werbung für ein riskantes Verhalten begleitet werden. Wir können als Bundesrepublik Deutschland ein starkes Zeichen setzen, dass wir die Risiken durch Sportwetten ernst nehmen und werbefrei in die Spiele gehen.“