Westspiel

Das vertrauliche Westspiel Bieterverfahren der Landesregierung in NRW neigt sich dem Ende entgegen! (Bildquelle: westspiel.de)

Ende 2020 haben zahlreiche Unternehmen und Bietergemeinschaften Ihr Interesse an der Ausschreibung der Westspiel Casinos in NRW bekundet. Das Bundesland will vermutlich ab 2022 die bestehenden Spielbanken in Nordrhein-Westfalen privatisieren und hat nach dem Verstreichen der Anmeldefrist zum Bieterverfahren für die Casino-Gruppe bekannt gegeben, dass die Ausschreibung geheim ist und keine Details veröffentlicht wird. Es geht um insgesamt vier Spielbetriebe im Land sowie der Option, zwei weitere Casinos an geplanten Standorten eröffnen zu können. Dabei soll die Konzession für die Spielbanken für den Höchstbietenden auf 15 Jahre ausgelegt werden. Die aktuelle Situation schauen wir uns nun an.

Geheimhaltung im Bieterverfahren

Das Bundesland hält sich bedeckt, wenn es um Presseanfragen zum aktuellen Stand der Westspiel-Gruppe geht. Fakt ist, die Spielbanken Dortmund, Duisburg sowie Bad Oeynhausen und Aachen sollen privatisiert werden. Hierbei wird es jedoch durch die Corona-Folgen erhebliche Änderungen geben, was die Bereitschaft angeht, bei der Ausschreibung hoch zu pokern. Als streng vertraulich wird selbst die Anzahl der Wettbewerber bezeichnet, die aktuell nicht bekannt ist. Wir haben uns dennoch umgehört und können Ihnen mitteilen, dass die Gauselmann Gruppe im Bieterverfahren mitwirkt. Als Deutschlands Marktführer mit Merkur Spielautomaten wie Jokers Cap und Alles Spitze sowie eigenen Casino-Standorten ist das nordrhein-westfälische Unternehmen aus Espelkamp ein Favorit im Westspiel Bieterverfahren.

Seit nun mehr als zwei Jahren plant die Landesregierung in NRW die Ausschreibung und von Anfang an hat die Glücksspielgruppe Gauselmann Interesse bekundet. In der Branche bietet die Gerüchteküche reichlich Raum für Spekulationen, dennoch ist klar, nur ein halbes Dutzend Unternehmen hat die Mittel, um beim Westspiel Bieterverfahren überhaupt eine Chance zu haben. Neben Merkur Gauselmann ist es der Konkurrent aus Österreich – die Novomatic Gruppe, die ebenfalls großes Interesse an dem Ausbau des eigenen deutschen Casino-Netzwerks hat. Im Übrigen arbeiten Novomatic und Merkur Gauselmann sogar in Berlin zusammen und betreiben in der Hauptstadt gemeinsam Spielbanken.

Ein weiterer Kandidat mit dem notwendigen finanziellen Background ist die CASAG, eine österreichische Casino-Gruppe, an der die international agieren SAZKA Gruppe die Mehrheitsanteile hält. Der Konzern betreibt Lotterien und steht kurz davor, im Mutterland des Glücksspiels – Großbritannien die landesweite Lotterie Camelot zu übernehmen. Casino Austria verfügt bereits seit 2004 über eine Konzession für deutsche Spielbanken, die es von der niedersächsischen Landesregierung für 90 Mio. € übernommen hat.

Schnappt sich Westspiel am Ende ein Geheimfavorit?

Es gibt keine Information vonseiten der Regierung, dennoch kursiert der Name Tipico immer wieder im Zusammenhang mit dem Westspiel Bieterverfahren. Allerdings hat sich hierzu auch die Warth & Klein Grant Thornton AG, die als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durch NRW den Auftrag erhielt, das Verfahren zu begleiten, bedeckt. Erst nach eingehender Prüfung der Anträge und den dazugehörigen Dokumenten aller Kaufinteressenten werden weiteren Veröffentlichungen folgen. Warum hat Tipico gute Chancen?

Das auf Malta ansässige Unternehmen hat im Bereich Online-Casino und Sportwetten in Deutschland gewissermaßen eine Marktführerrolle erlangt. Allerdings ist nicht gänzlich klar, ob Tipico die Voraussetzungen für eine Spielbankenkonzession überhaupt erfüllen kann. Der Betreiber von Wettshops hat jedoch Erfahrung im terrestrischen Bereich und könnte das Westspiel Bieterverfahren als die Chance sehen, sich innerhalb der neuen deutschen Glücksspielregulierung einen Vorteil zu verschaffen. Eventuell ist Tipico auch Bestandteil einer Investmentgruppe, die an der Ausschreibung teilnimmt.

Am Ende werden viele Faktoren eine Rolle spielen, welcher Bieter den Zuschlag des Innenministeriums erhält und somit eine 15-jährige Konzession für den Betrieb von Casinos im Bundesland.

Westspiel Bieterverfahren im Zeichen der Corona-Pandemie

Die landeseigene Westspiel Gruppe zu veräußern, soll Milliarden in die Kassen spülen, das zumindest erhofft sich die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Doch die herausfordernden letzten Monate sowie noch bevorstehenden hat die Glücksspielindustrie schwer getroffen. Einzig die Gaming-Branche im Internet hat vom Lockdown profitieren können. Die Folgen für Unternehmen wie Gauselmann, die mit Merkur Automaten in Spielhallen aktiv sind, genauso wie für Novoline Slots aus dem Hause Novomatic sind noch nicht abzusehen. Die Espelkamper mussten in der Krise einige Tausend Angestellte in Kurzarbeit schicken und natürlich leidet ein 14.000 Mitarbeiter großes Unternehmen darunter, wenn die Hauptgeschäftsfelder vielerorts wegbrechen. Gleiches gilt für Novomatic und die Casino Austria AG.

Finanziell wird vom neuen Eigentümer einiges abverlangt, denn eine 15 Jahre Konzession für Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland ist nicht billig. Darüber hinaus folgen Investitionen in bis zu zwei neue Casinos, wobei die Standorte bereits auf Düsseldorf, Münster und Köln reduziert wurden. Dazu kommen 900 Angestellte, daher wurde im Rahmen der Ausschreibung ein Wert für das Westspiel Bieterverfahren von rund 2,7 Milliarden Euro festgelegt. In dieser Größenordnung können nur wenige Unternehmen der Branche agieren und inwieweit Corona hierbei für finanzielle Engpässe sorgt, ist längst nicht abzusehen.

Wie wird der neue Westspiel Eigentümer ermittelt?

Zunächst ist vorgesehen, aus den Angeboten der teilnehmenden Interessenten die drei besten zu ermitteln und diese in die engere Auswahl zu nehmen. Es ist nun erforderlich, die Erfahrungen in der Glücksspielindustrie darzulegen und verfügbares Kapital vorzuweisen, das bei einem Mindestbetrag von 20 Mio. € liegen sollte. Sind die Bedingungen erfüllt, werden die Bewerber dazu angehalten, ein stichhaltiges Kaufangebot einzureichen.

Anschließend sind Meetings mit den beteiligen Unternehmen aus dem Westspiel Bieterverfahren vorgesehen, um einen Vertrag auszuarbeiten, für den eine letzte Bieterrunde angesetzt werden soll. Die zwei Bieter mit den besten Offerten werden dann ein letztes Mal zu Gesprächen eingeladen, um einen Höchstbietenden zu ermitteln. Wer am meisten bei den Verhandlungen auf den Tisch legt, wird am Ende den Zuschlag vom nordrhein-westfälischen Innenministerium erhalten und somit die Spielbankenkonzession für das Bundesland, die vermutlich ab 2022 in Kraft treten wird.