Einsatzlimits

Monatliche Einsatzlimits für Online-Glücksspiel sind in aller Munde – eine BIT Studie aus Großbritannien bringt hierzu überraschende Erkenntnisse zum Vorschein! (Bild von bi.team)

Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag sieht vor, Einzahlungslimits von bis zu 1.000 Euro monatlich festzuschreiben. Diesen rigorosen Weg verfolgen auch andere Länder, die allerdings erst im Zuge der Coronavirus-Pandemie auf diese vermeintliche Maßnahme zum besseren Spielerschutz gekommen sind. Oberflächlich betrachtet scheint ein gesetzliches Limit plausibel, doch das Verhalten von Kunden in Online Casinos scheint zumindest in der Breite anders zu reagieren. Um die Effizienz dieser staatlichen Limitierung bewerten zu können hat sich das britische Behavioural Insights Team damit beschäftigt und gemeinsam mit dem Wett- und Casino-Anbieter bet365 eine Studie durchgeführt, um verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.

Details zum Studienhintergrund

Eine staatliche Bevormundung ist prinzipiell ein Streitfaktor. Es ist aber auch klar, dass eine Regulierung von Glücksspiel im Internet nach gewissen Regelungen verlangt, um den Markt in einem kontrollierbaren Rahmen zu entwickeln und dabei stets dem Spielerschutz oberste Priorität zuteilwerden zulassen. Zu der Studie kam es überhaupt erst, weil die bekannte Organisation GambleAware das Team von BIT damit beauftragt hat, verhaltenswissenschaftliche Aspekte zu untersuchen, um riskante Punkte beim Glücksspiel entschärfen zu können.

Im Fokus stand dabei der weltweit größte iGaming-Markt in Großbritannien mit bis zu 23 Millionen aktiven Accounts im Bereich Online-Glücksspiel. Diese Spielerkonten verteilen sich auf rund 7 Millionen Briten. Dabei kam schnell zutage, dass rund 20 Prozent aller erwachsenen Briten regelmäßig in Online Casinos spielen. Eine Aufschlüsselung wurde im Rahmen der Glücksspielstudien nicht nach Spielarten durchgeführt, da Einsatzlimits in Sachen Verhaltensmuster bei Roulette, Blackjack, Automatenspielen und Sportwetten vergleichbar sind.

Einzahlungs- und Einsatzlimits missfallen vielen Spielern

Eine weitere Form des sicheren Glücksspiels, wie es in Deutschland praktiziert wird, sind Einzahlungslimits. Diese dienen zumindest in der Theorie dazu, den maximal möglichen Geldbetrag festzulegen, den ein Kunde im Online Casino einzahlen kann. In der Regel müssen Kunden, um ein Limit festzulegen, durch ein Dropdown-Menü mit vordefinierten Optionen scrollen. Die Optionen beginnen normalerweise mit dem größten verfügbaren Limit, das bis zu 1.000 Euro in Online Casinos Deutschland betragen kann. Mit Inkrafttreten der neuen Regulierung sind hierbei auch Ausnahmeregelungen vorgesehen.

Können einzelne Kunden ein bestimmtes finanzielles Vermögen vorweisen, dann sind Einzahlungslimits von bis 30.000 Euro möglich. Mehr als 20 Prozent des Einzahlungsbetrags darf der Spieler jedoch nicht verlieren, in diesem Fall kann dann erst im nächsten Monat weitergespielt werden. Hinzukommende definierte Einsatzregeln für Glücksspiele, die zum Beispiel vorgeben, dass am Automaten nicht mehr als 1 Euro eingesetzt werden darf. Das ist freilich nicht jedermanns Sache und birgt weitere Gefahren, dass etwaige Spieler sich andere Spielmöglichkeiten suchen, die der Staat möglicherweise nicht kontrolliert.

Generell sind Einsatzlimits sowie auch Einzahlungslimits zu begrüßen, um die breite Masse vor den durch Glücksspiele ausgehenden Gefahren zu schützen. Es muss jedoch auch klar gesagt werden, dass deutsche Spieler von einem Lottoladen in den nächsten gehen können, um sich Rubbellose und Lottoscheine zu kaufen. Auch in der staatlich-konzessionierten Spielbank lassen sich Einsätze in ganz anderen Größenordnungen platzieren.

Ein Blick auf die Ergebnisse Studie

BIT hat mit bet365 zusammengearbeitet, um zwei Varianten im Vergleich zum „business as usual“ Ansatz zu untersuchen. Die erste Gruppe von Testspielern hat verschiedene Einsatzvorgaben angezeigt bekommen, aus denen Sie sich ein monatliches Limit wählen können. Eine andere Spielergruppe wurde dazu angehalten, in einem Freitextfeld selbstständig Einsatzlimits festzulegen. Das Ergebnis der Studie mag nicht als repräsentativ gelten, da es nur eine geringe Zahl von Probanden in einem einzelnen Markt tangiert, jedoch sind die Erkenntnisse dennoch von Bedeutung. Am Ende haben nämlich 46 Prozent der Gruppe, die in Eigenregie monatliche Einsatzlimits definieren sollten, das Einzahlungslimit niedriger angesetzt als die Testgruppe, denen Fixbeträge zur Auswahl zur Verfügung standen.

Dementsprechend sind staatliche Einsatzlimits nur bedingt vorteilhaft. Ein Teil der gelegentlichen Spieler würde am Ende sogar höhere Limits wählen, als sie selbst festlegen würden. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit fixen Einsatzlimits waren die Einzahlungslimits mit der Freitextbox-Option fast gleichauf, insgesamt haben letztlich 45 Prozent der Probanden niedrigere Limits gesetzt. Es gab also keinen signifikanten Unterschied bis auf die Tatsache, dass die Personen, die selbst entscheiden konnten, wo ihr Limit liegt, im Vergleich weniger Geld über 30 Tage auf ihr Konto einzahlen würden.

Eine Erkenntnis aus der BIT-Studie ist, dass vorgegebene Einzahlungslimits, die es den Kunden erlauben, ihre Einzahlungen zu begrenzen, dazu führen können, höhere Limits zu setzen. Fakt ist, die Mehrheit aller Spieler agiert beim Glücksspiel verantwortungsvoll und setzt nur ein Teil des Freizeitbudgets ein. Zusätzlich muss klar festgehalten werden, dass gesetzliche Einzahlungslimits auf eine sehr kleine Gruppe von gefährdeten Spielern abzielen. Dabei sind es gerade diese Spielertypen, die das System austricksen und Wege finden, zu spielen und einzusetzen, was ihnen gefällt. Die kompletten 60 Seiten der Studie können Sie hier lesen.

Sind Casinos ohne Einsatzlimits sicherer?

Die Brisanz um das monatliche deutsche Einsatzlimit hat seit der Bekanntgabe der Regierung für die Toleranzpolitik bis zum gültigen Glücksspielstaatsvertrag eher zugenommen. Dabei gehen die Meinungen auseinander und wer die deutsche Politik kennt, der weiß auch eine britische Untersuchung nichts an den gesetzten Limits ändern wird. Insbesondere der Verweis auf den Spielerschutz ist ein wenig altbacken.

Schlussendlich haben Online Casinos mit EU-Lizenz aus Malta oder einer Curacao Lizenz ebenfalls Optionen für Limitierungen in der Konzession vereinbart. Teilweise gehen diese noch weiter ins Detail und ermöglichen es Ihnen Spielzeiten, individuelle Tageslimits und auch Verlustlimits festzulegen. Im Übrigen hat auch Schweden bereits verlauten lassen, dass die angestrebte Kanalisierung auf dem Onlinemarkt für Glücksspiele rückläufig ist, seit die Einsatzlimits strenger reguliert werden. Der Spieler wechselt dann einfach zu Anbietern, deren Konditionen attraktiver aufgestellt sind.

Es ist eine Grundsatzfrage, ob es sinnvoll ist, der breiten Masse Einsatzlimits für Merkur Automaten oder Novoline Slots vorzugeben, die teilweise selbst geringere Limits setzen würde. Die kleine Gruppe an Spielern, die es trifft und höher pokern möchte, wird immer eine Möglichkeit finden zu spielen. Um Spielmustern entgegenzuwirken, die zum Beispiel darauf ausgerichtet sind, Verluste durch weitere Einsätze auszugleichen, was ein deutlich größeres Gefahrenpotenzial mit sich bringt, wäre es eigentlich angebracht über ein generelles Verlustlimit nachzudenken. Wie viel Geld der Einzelne im Monat maximal verlieren möchte, hierbei würden mit hoher Wahrscheinlichkeit viel mehr zweimal nachdenken, bevor ein Betrag festgelegt wird.