Jeder dritte Spielautomat ohne Zulassungssiegel

Der illegale Spielautomat ist immer häufiger anzutreffen und überschwemmen den Casino-Markt! (Bild von aysha_be)

Unter der Überschrift „Unterschätzte Gefahr im Kreis Pinneberg. So abhängig machen illegale Glücksspielautomaten“ publiziert das Pinneberger Tagesblatt am 22. Juli 2025 in einem Artikel auf shz.de. Aus der Veröffentlichung auf shz.de spricht viel Zustimmung zum Vorgehen der örtlichen Polizei und ein Bewusstsein dafür, wie groß die Gefahr durch illegale Glücksspielautomaten tatsächlich ist. Im Kreis Pinneberg ist die Polizei regelmäßig auf der Jagd nach unerlaubten Geschäften mit Spielautomaten. Doch was treibt Menschen dazu, das Glück herauszufordern, was verbirgt sich hinter dieser Leidenschaft und wie groß ist der kriminelle Hintergrund der auf den ersten Blick unbedenklichen Spielgeräte? Experten für Suchtkrankheiten nehmen hierzu Bezug.

Der Fun Game Spielautomat – ein Geschäftsmodell für Kriminelle

Was lockt, sind unter anderem blinkende Glücksspielautomaten, lautes Gebimmel aus den Lautsprechern der Automaten in Kombination mit verführerischen Gewinnversprechen. All das macht den Reiz von Automatenspielen aus. Der Suchtfaktor bei diesen Geräten liegt hoch, ebenso wie ihre Anziehungskraft für Kriminelle, ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

Der letzte Großeinsatz in Pinneberg liegt erst ein paar Wochen zurück. Dabei hatten die Einsatzkräfte vor allem Kneipen, Spätis und Kulturzentren durchsucht und dabei immer wieder illegale Geldspielgeräte beschlagnahmt. Im Internet sind ebenfalls nicht lizenzierte Online Casinos Deutschland unterwegs, die durch die zuständige Glücksspielbehörde GGL verfolgt werden.

Einer von Drei ist nicht zugelassen

Nur wenige Wochen später, am 25. Juni, schritten die Ordnungskräfte im Fahltskamp in Pinneberg ein. Bei der Razzia stellten sie drei nicht genehmigte Glücksspielautomaten, sogenannte Fun Games, sicher. Gerade einmal ein paar Wochen früher stürmten 300 Einsatzkräfte der Polizei verschiedene Lokale eines Einkaufszentrums in Pinneberg und brachten allerhand kriminelle Machenschaften zum Vorschein.

Bei dieser Aktion stellten sie in mehreren Kneipen und kulturellen Einrichtungen weitere 50 Geräte sicher. Es besteht der konkrete Hinweis, es könnte sich um illegal aufgestellte und an der Steuer vorbeigeschleuste sowie möglicherweise sogar manipulierte Spielautomaten handeln. Auch die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 weist für ganz Deutschland einen fast schon dramatischen Anstieg beim illegalen Glücksspiel aus.

Legal und illegal nicht selten direkt nebeneinander

Was treibt Gastronomen dazu, mit den Automaten bewusst hohe Risiken auf sich zu nehmen, statt legal und transparent zu arbeiten? Die Antwort ist offensichtlich: Das Geschäft rentiert sich. Das geht aus dem Ergebnis hervor, das eine vom Arbeitskreis gegen Spielsucht durchgeführte Untersuchung bundesweit von Glücksspielautomaten zutage gefördert hat: Ein Drittel entpuppte sich als nicht legal.

Um diese Zahlen zu ermitteln, steuerten die Studienmacher bewusst Orte an, von denen sie vermuteten, dass die dort aufgestellten Spielgeräte nicht legal sind. In der Regel werden die betrügerischen Spielgeräte zusammen mit den zugelassenen Automaten betrieben.

Polizeiangaben zufolge mangelt es derartigen Glücksspielautomaten an einem gültigen Prüfzeichen, wodurch sie sofort für Besucher ersichtlich sind. Darüber hinaus zahlen die Betreiber keine entsprechenden Steuern. Experten warnen außerdem, das Risiko sei viel höher, da es an Spielerschutz sowie verpflichtenden Spielpausen oder Einsatzlimits mangele. Es ist möglich, größere Einsätze zu tätigen. Theoretisch lassen sich sogar einige Hundert Euro sekundenschnell einsetzen. Dabei kommen schnell enorm hohe Beträge zusammen.

Glücksspielszene unter Druck: Illegale, Steuerhinterziehung und Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz!

(Bild © Unsplash (Augustin-Foto) Jonas Augustin)

In Berlin greift das Konzept „Kooperationsplattform gegen Organisierte Kriminalität” von Justizsenatorin Felor Badenberg und bringt illegalen Spielautomaten-Aufstellern vermehrt die Ordnungsmacht ins Haus!

Praktisch ohne Limit spielen

Elaine Palan, eine Beraterin für Suchtthemen bei der Schenefelder AWO hat schon seit vielen Jahren die Glücksspielsucht im Blick. Besonders die gravierenden Folgen für das soziale und finanzielle Leben der Betroffenen macht ihr Sorge. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums leiden 2,4 Prozent des Bevölkerungsdurchschnitts nachweislich unter Glücksspielsucht.

Man geht davon aus, es handelt sich um eine weitaus höhere tatsächliche Zahl. Schließlich werden nicht alle Fälle der Krankheit als gesundheitliche Störung wahrgenommen. Betroffene suchen in der Regel erst dann einen Therapeuten auf, nachdem sie aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten bei der Polizei in Erscheinung getreten sind.

Fun Games auf hohem Niveau

In den Fun Games, wie die als illegale Glücksspielautomaten bezeichneten Geräte umgangssprachlich bezeichnet werden, vermutet Jürgen Trümper, Verfasser einschlägiger Forschungsstudien, seit einiger Zeit den Beginn der nächsten Welle. In diesem Zusammenhang verlangt Jürgen Trümper stärkere Überprüfungen seitens der zuständigen Behörden.

Der Großteil der Automaten stammt aus China beziehungsweise osteuropäischen Ländern. Angeblich seien diese im Netz für 1700 Euro bis 3000 Euro käuflich zu erwerben. Verboten hingegen ist es, sie ohne Anmeldung und ohne Erlaubnis im öffentlichen Raum, beispielsweise in der Gastronomie, aufzustellen.

Alarmglocke bei Glücksspielsucht

Suchtexperten sind sich einig: Die Razzien, deren Folge oft ein anschließendes Verbot für die Lokale ist, gehen den richtigen Weg. Doch der Reiz ist speziell für heranwachsende Leute, möglicherweise aus suchtbelasteten Familien, immens. Um potenzielle Risikogruppen wirksam erreichen zu können, sind vor allem wirksame Weiterbildungen für den Service in Spielstätten wichtig.

Zu den besonders betroffenen Menschen würden demnach Männer mit Migrationshintergrund aus niedrig gebildeten Familien gehören. Leider suchen nicht alle Betroffenen rechtzeitig professionelle Beratung. Doch glücklicherweise hat sich die Zahl der auf Suchterkrankungen und insbesondere Spielsucht ausgerichteten Einrichtungen in den letzten Jahren vervielfacht.

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